30. Januar 2017

Schülerradiofeature über ihren Aufenthalt in unserer Jugendbegegnungstätte

Schüler der GRG21 in Wien waren zusammen mit Schülern aus Polen und Deutschland Teil der Jugendbegegnung im November 2016. Sie erstellten eine szenische Lesung zur Zwangsarbeit bei Pertrix, die als Abschluss ihrer Zeit hier in Berlin aufgeführt wurde.

Damit war die Arbeit nicht vorbei. Bereits hier vor Ort wurden Interviews geführt und diese zurück in Wien zu einem Radiofeature zusammengestellt.

Informationen auf der Seite der Schule unter "Geschichte Projekt in Berlin zum Thema Zwangsarbeiter in der NS-Zeit"

 

 

Berlin sagt Danke! am 29. Januar 2017

Auch in diesem Jahr sagt Berlin allen Ehrenamtlichen Danke für ihre Arbeit. Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit würde es ohne das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen heute nicht so geben. Wir möchten Sie einladen uns kennen zu lernen und mit einer öffentlichen Führung um 14 Uhr die Möglichkeit geben, mehr über unsere Geschichte zu erfahren. Die Führung wird die Dauerausstellung "Alltag Zwangsarbeit 1938 - 1945", das Gelände des letzten noch weitgehend erhaltenen ehemaligen Zwangsarbeiterlagers und die "Baracke 13" berücksichtigen. Letztere ist nur im Rahmen von Führungen zugänglich. Gern laden wir Sie auch ein, unsere Ausstellungen "Batterien für die Wehrmacht. Zwangsarbeit bei Pertix 1939 - 1945" und "Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der Italienischen Militärinternierten 1943 - 1945" zu besuchen.


Wir freuen uns auf Sie.

 

 

29. November 2016

Michele Montagano, ehemaliger italienischer Militärinternierter besucht Schüler

Michele Montagano, der am 28. November anlässlich der Eröffnung unserer Ausstellung "Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der Italienischen Militärinternierten 1943-1945" zu Gast war, nutzte seine Anwesenheit in Berlin, um als Zeitzeuge mit Schülern des Albert Einstein Gymnasiums Berlin zu sprechen.

Auf der Schulwebsite kommen Schüler mit ihren Eindrücken zu Wort.

 

 

28. November 2016

Die Ausstellung "Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943-1945" wurde durch den ehemaligen Militärinternierten Michele Montagano, dem Außenminister Italiens Paolo Gentiloni sowie dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier eröffnet.

 

 

Für das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit sucht die Stiftung Topographie des Terrors, unter dem Vorbehalt zur Verfügung stehender Mittel, voraussichtlich zum 1. Februar 2017 eine/n Haushaltssachbearbeiter/in

Diese Stelle ist befristet bis 28.Februar 2018 mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 19,50 Stunden (Teilzeit) und wird nach TV-L Entgeltgruppe 8 vergütet.

Weitere Informationen

 

 

15. November 2016

Die Bundestagsabgeordneten Swen Schulz (ganz links) und Matthias Schmidt (2.v.l.) besuchten das Dokumentationszentrum. Dr. Christine Glauning, Leiterin des Doku-Zentrums, und der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors Prof. Dr. Andreas Nachama erläuterten den Gästen das umfangreiche Ausstellungs- und Bildungsprogramm. 

 

 

Zum 1. Februar 2017 suchen wieder wieder eine/n wissenschaftlichen Volontär/in

Die Schwerpunkte der zweijährigen Tätigkeit liegen in

  • der Mitarbeit in der Bildungsarbeit (Erarbeitung eines Workshops zur Geschichte der italienischen Militärinternierten, Mitarbeit in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte),
  • der Mitarbeit bei der Erarbeitung eines Besucherleitsystems und einer Broschüre zu den Bildungsangeboten,
  • der Mitarbeit bei der Realisierung einer Wechselausstellung und eines   Gedenkkonzeptes,
  • der Mitarbeit bei der Vor- und Nachbereitung von Gremiensitzungen.

Bewerbungsvoraussetzung und -fristen entnehmen Sie bitte dem hinterlegten Dokument, Informationen zu den Grundsätzen eines Volontatriats finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbungen.

 

 

15. September - 20. September 2016
2. Teil des Projekts "Spurensuche"

Nach dem ersten Teil der Spurensuche mit belarussischen Zeitzeuginnen im April 2016 in Berlin machten wir uns nun auf den Weg nach Belarus. Über unsere Tage dort haben wir ein Tagebuch in unserem Blog geführt.

Call for Applications. International Winter School for Educators

The application for the International Winter School for Educators “Nazi Forced Labour. History and Aftermath” organized by the International Tracing Service (ITS) and the Nazi Forced Labour Documentation Centre should be received by 15 October 2016. The winter school will be convened from 19 – 25 February 2017 in Berlin.

The winter school will provide a forum for 15 junior educators from European countries who want to exchange ideas on methods and teaching practices on the topic of Nazi forced labour and its memory in post-war Europe from a transnational perspective. The focus will be on civilian forced labour in Nazi Germany. The winter school will also focus on how educators can use documents archived in the ITS Digital Archive, which include among others multi-million page collections of records on forced labour, post-war DPs and resettlement.

The key aspects of this winter school are:

  • to discuss contemporary challenges facing history educators in Europe, with particular emphasis on teaching the history and the aftermath of forced labour during WWII, including repatriation and emigration of former forced labourers.
  • to explore the documentation of the International Tracing Service and to identify the material that offers particularly rich opportunities for new educational projects
  • to encourage the exchange of ideas for partnered projects between the winter school participants.


Complete Call for Application as pdf

 

 

 

14. August - 21. August

Forced Labour during World War II as a Transnational Phenomenon. German-South Korean Seminar for Educators

Das Seminar bietet ein Forum für junge Bildungsarbeitende aus Deutschland und Süd Korea, um Ideen und Lehrmethoden auszutauschen. Gleichzeitig erarbeiten die Teilnehmenden ein tieferes Verständnis des Themans Zwangsarbeit im historischen Kontekt aus einer transnationalen Perspektive heraus.

Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg war nicht allein ein deutsches Thema, es bezog auch die besetzten Gebiete ein und die Alliierten der Deutschen. Viele Jahre schwieg Süd-Korea über die "Trostfrauen" - tausende von Mädchen und jungen Frauen, die zur Sexarbeit von der Japanischen Armee vor und während des Weltkriegs gezwungen wurden. Das Erbe der Zwangsarbeit und anderer Grausamkeiten des Krieges im Japanischen Reich ist ein kontroverses politisches Thema, das noch immer eine ernsthafte Behinderung der Japanisch-Süd Koreanischen Beziehungen ist.

 

 

1. August 2016 

 

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier informierte sich über die Arbeit des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit

Gemeinsam mit dem Köpenicker Bundestagsabgeordneten Matthias Schmidt (SPD) informierte sich Außenminister Steinmeier über das deutschlandweit einzige noch weitgehend erhaltene ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager, das sich inmitten eines Wohngebietes in Berlin-Schöneweide befindet.

Dort wird Ende November Außenminister Steinmeier gemeinsam mit seinem italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni die Ausstellung „Vom Verbündeten zum Feind. Zwangsarbeit italienischer Militärinternierter 1943-1945“ eröffnen. Sie geht zurück auf die Arbeit der Deutsch-Italienischen Historikerkommission zur Aufarbeitung der deutsch-italienischen Kriegsvergangenheit mit dem Ziel, eine gemeinsame Erinnerungskultur zu schaffen.

Nach einem Rundgang über das Gelände und einem Blick in die Ausstellung „Batterien für die Wehrmacht. Zwangsarbeit bei Pertrix 1939-1945“ informierten sich die beiden Politiker über den aktuellen Stand des IMI-Projekts (Italienische Militärinternierte), das die Restaurierung einer weiteren Baracke und die Präsentation der neuen Ausstellung umfasst.

Außenminister Steinmeier bekräftigte im Gespräch mit dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Prof. Dr. Andreas Nachama, Dr. Christine Glauning, Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, und Projektleiterin Daniela Geppert die Bedeutung der Arbeit des Dokumentationszentrums.

Wortlaut des Gästebucheintrages von Außenminister Steinmeier:

„Ich danke allen, die dieses schreckliche Stück deutscher Geschichte, das Leben und Leiden von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern für die kommenden Generationen wachhalten – als Erinnerung und Mahnung zugleich. Am 28. November sehen wir uns erneut wieder. Bis dahin danke und beste Grüße.“

Presse Information

 

 

SCI Study Camp
3. Juli - 17. Juli 2016

Im derzeitigen Study Camp des SCI hier im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit setzten sich die Teilnehmer intensiv mit dem Thema NS-Zwangsarbeit anhand von Fotografie auseinander. Begleitet von einer professionellen Fotografin besuchen sie verschiedene Orte der NS-Zwangsarbeit im Südosten Berlins. Sie dokumentieren, die Veränderungen und wie die Geschichte den Ort beeinflusst hat. Auch das Verständnis historischer Fotos wird geschult, was ist echt, was gestellt, was Propaganda.

Die Gruppe besteht aus Teilnehmenden aus der Türkei, Ukraine, Schweiz, USA, Niederlanden, Spanien, Russland, Serbien, Griechenland, Ungarn, Japan, Taiwan und Deutschland. Am 15. Juni werden mit einer kleinen Vernissage die Ergebnisse des Study Camps präsentiert. 

 

 

Besuch des Italienischen Botschafters

Seine Exzellenz Pietro Benassi, Botschafter der Republik Italien, besuchte am 14. Juni 2016 das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, um sich über den Stand der Vorbereitungen zu unserer zukünftigen Dauerausstellung zu Italienischen Militärinternierten zu informieren.


Gemeinsam mit Vertretern des Auswärtigen Amtes, besichtigten der Stiftungsdirektor Prof. Andreas Nachama, die Leiterin des Dokumentationszentrum Dr. Christine Glauning mit den Projektmitarbeitern "Baracke 4", die derzeit noch Baustelle ist und ab 29. November die Dauerausstellung beherbergen wird. Daniela Geppert, Projektleiterin, schilderte die geplante Ausstellung.

Zum Gedenken an Piet de Ruiter (1924-2016)

Am 12. Mai 2016 starb der Niederländer Piet de Ruiter im Alter von 92 Jahren. Als junger Mann leistete er zweieinhalb Jahre lang Zwangsarbeit in der Akkumulatorenfabrik AG in Hannover. Die Darstellung seiner Lebensgeschichte ist Teil der im November 2015 eröffneten Ausstellung „Batterien für die Wehrmacht“, die noch bis 20. November 2016 im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zu sehen ist.

Piet de Ruiter wurde am 28. Februar 1924 im niederländischen Groningen geboren. Im Alter von 14 Jahren begann Piet de Ruiter, sich im Jugendverband JVO (Jeugdbond voor Onthouding) zu engagieren. Er besuchte die Mittelschule und arbeitete anschließend als Büroangestellter in einem Geschäft für Sanitärartikel.

Im Mai 1940 besetzten deutsche Truppen die Niederlande. In der Folge mussten bis zu 500.000 Niederländer Zwangsarbeit leisten. Im Dezember 1942 erhielt Piet de Ruiter eine Vorladung zum Arbeitsamt. Er wurde gemustert und zur Zwangsarbeit in Hannover verpflichtet. Er arbeitete in der zur Quandt-Gruppe gehörenden Akkumulatorenfabrik (genannt „Akku“ oder offiziell AFA), in der Bleiakkumulatoren für U-Boote und die Fernrakete V2 gefertigt wurden. Untergebracht war er in dem neben der Fabrik gelegenen Zivilarbeiterlager Stöckener Straße, gleich nebenan befand sich ein Außenlager des KZ Neuengamme, dessen Häftlinge auch bei der AFA arbeiten mussten. Piet de Ruiter arbeitete in der Abteilung „Formation“, seine Aufgabe war es, heruntergefallene Akkuplatten aus einem Säurebad zu fischen.

Vom ersten bis zum letzten Tag führte Piet de Ruiter im Lager Tagebuch. Minutiös führte er Buch über seinen Alltag, er berichtete über die ungesunde und gefährliche Arbeit, Hunger, Luftangriffe, aber auch über Freizeitaktivitäten und befreundete Zwangsarbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion. Am 25. März 1944 schickten seine Eltern ihm eine Kodak-Fotokamera, und er fing an, seine Kameraden, das Lager und andere Zwangsarbeiter zu fotografieren. Er dokumentierte den Alltag im Lager und wurde so zu einer Art „Lagerfotograf“. Im Lager sprach sich das schnell herum und er begann, Auftragsportraits zu machen. Unter den fast 300 Fotos, die erhalten geblieben sind, gibt es auch viele Portraits von Ostarbeiterinnen, die diese Fotos an ihre Familien schicken wollten.

Anfang April 1945 erreichten amerikanische Truppen das Lager und befreiten die Zwangsarbeiter. Einige Wochen später gelang es Piet de Ruiter, teils mit dem Zug, teils mit einem geliehenen Fahrrad, nach Groningen zurückzukehren. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst wieder bei seinem alten Arbeitgeber, dann machte er eine Ausbildung als Verwaltungsbeamter und arbeitete später als Gerichtssekretär. Er heiratete und bekam mit seiner Frau drei Kinder.

Vor einigen Jahren fingen seine beiden Söhne, seine Tochter und seine Schwiegertochter an, sich intensiv mit seiner einzigartigen Sammlung von Fotos, Tagebüchern und Briefen zu befassen. Sie stellten auch den Kontakt zum Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit her und beschlossen schließlich, das Material in einem Buch zu veröffentlichen.

Im November 2015 reiste Piet de Ruiter noch einmal nach Deutschland. Mit seiner Familie nahm er an der Eröffnung der Ausstellung „Batterien für die Wehrmacht“ teil, in der neben seinen Fotos auch Auszüge aus seinem Tagebuch und ein Ausschnitt eines Videointerviews zu sehen sind. Durch Piet de Ruiters Geschichte erhalten wir detaillierte Informationen über die Entstehung privater Erinnerungsfotos aus den Lagern, von denen zwar viele erhalten geblieben sind, aber deren Entstehungsgeschichte meist nicht bekannt ist.

Im April 2016 durfte Piet de Ruiter noch die Präsentation seines Buches „Dwangarbeider 3257. 2,5 jaar Arbeitseinsatz 1943-1945“ in Groningen erleben. Neben seinem Tagebuch sind darin zahlreiche Fotos, Dokumente und Briefe aus dem Lager veröffentlicht. In der Zeitung erschien ein vierseitiger Artikel über ihn und sein Buch. Nur wenige Wochen nach diesem für ihn so wichtigen Tag starb Piet de Ruiter nach kurzer schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Groningen. Wir sind ihm außerordentlich dankbar, dass er seine Geschichte so bereitwillig mit uns geteilt hat. Unser Dank gilt auch der Familie für ihre großartige Unterstützung und Herzlichkeit.


Online - Zeitzeugenarchiv des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit


Nach zweijähriger Arbeit ist das erweiterte Zeitzeugenarchiv mit audio-visuellen Interviews, Briefen, Dokumenten und Fotografien von ehemaligen NS-Zwangsarbeiter/innen ab dem 05. Januar 2016 online abrufbar unter:

www.dz-ns-zwangsarbeit.de/zeitzeugenarchiv/


Im Rahmen des von der Berliner Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten geförderten Projektes zur Digitalisierung des kulturellen Erbes der Stadt Berlin 2014 und 2015 eröffnete sich dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit die Möglichkeit, eine umfangreiche webbasierende Sammlung mit multimedialen und narrativen Quellen, in der Mehrzahl aus dem Dauerdepositum der Berliner Geschichtswerkstatt stammend, zu erstellen.

Die Werkzeuge und die Suchfunktionen des Zeitzeugenarchivs sind auf die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer angepasst. Die mehrsprachigen Zeitzeugenberichte sind durch Abschriften, Übersetzungen und Kurzbiographien erschlossen. Informationen und Daten zur Zwangsarbeit sowie ergänzende Metadaten geben umfassende Auskünfte nicht nur zu den einzelnen Personen, sondern auch zu den Orten, den Einsatzbereichen oder den Lagerunterbringungen.

Mit dem am Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit entwickelten digitalen Zeitzeugenarchiv liegt ein  Instrumentarium vor, das nach einer personenbezogenen Registrierung der breiten Öffentlichkeit sowie dem Fachpublikum die Möglichkeit bietet, die lebensgeschichtlichen Zeitzeugenberichte auf unterschiedenen Ebenen zu erschließen. Das Zeitzeugenarchiv kommt außerdem in der im November 2015 neu eröffneten Internationalen Jugendbegegnungsstätte am Dokumentationszentrum und in der Bildungsarbeit zum Einsatz.

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide, eine Abteilung der Stiftung Topographie des Terrors, befindet sich am einzigartigen original erhaltenen Ort eines ehemaligen Barackenlagers für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen.
 
 

Forced Labour during World War II as a Transnational Phenomenon. German-South Korean Seminar for Educators

14.08.2016 - 21.08.2016

This seminar shall provide a forum for young educators from Germany and South Korea to exchange ideas on methods and teaching practices and learn more about the topic of forced labour in a historical context from a transnational perspective. A comparative approach should contribute to making multidirectional memories and thus encourage mutual understanding beyond the border.

The history of Nazi forced labour is a history of forced migration of an unprecedented scale. As part of the total war strategy Germany decided to shift the war costs to the populations of conquered foreign territories and thus spare their own people from hardships and social unrest. To this end Ausländereinsatz (the deployment of foreigners) was implemented, which revealed strong contradictions between economic needs and the ideological doctrine of the racial purity of the Nazi regime. As a result, approximately 13 million women and men from all across Europe worked in all parts of the German Reich during WWII. Most of them were accommodated in poor barracks and camps, malnourished and held back from returning to their home countries. Moreover, forced labourers were employed all over the Reich making it one of the largest public crimes in history which was not acknowledged as such among large parts of the population for a very long time. More than 50 years passed before the German society dealt with the topic of forced labour and a small compensation was paid to some of the victims.
The history of forced labour during WWII was not solely restricted to the actual German but likewise affected all territories occupied by the Germans and their Allies during World War II. For many years South Korea has silenced the topic of “comfort women” - thousands of girls who were forced into sexual slavery by the Imperial Japanese Army before and during WWII. The legacy of forced labour and other World War II atrocities in the Japanese empire is a controversial political issue, which has been a serious impediment to Japanese-South Korean relations.

The aim of this seminar is (1) to discuss contemporary challenges facing history educators in Germany and South Korea, with particular emphasis on teaching the history of forced labour during WWII (2) to familiarise the participants with teaching and research trends on forced labour during WWII (3) to encourage the exchange of ideas for partnered projects between German and South Korean participants and staff members.

Participants (preferably under 35 years old): Germany: 3 museum professionals (they should be associated with a German museum, memorial site or a documentation centre) and 3 high school history teachers. Advanced students who plan to work in a museum or teach history in high schools are also welcome to apply.
South Korea: 3 museum professionals/educators, 3 history teachers.

Financial Conditions: the participation in the seminar for German participants costs 80 euros and includes:
Week 1 (Berlin): meals will be provided for all the participants. The German participants will organize their own transport and accommodation. Assistance can be provided to the participants outside Berlin.
Week 2 (Seoul): meals will be provided for all the participants. The organizers will cover the costs of travel (up to a maximum of 800 euros) and accommodation for German participants.
Those who cannot afford paying the participation fee are still encouraged to apply. The fee can be waived based on financial need and merit. Please, state it in your application.

Further information and program

 

 

Zeitzeugenarchiv mit lebensgeschichtlichen Interviews

Nach einjähriger intensiver Arbeit an dem Bestand der audio-visuellen Interviews mit ehemaligen NS-Zwangsarbeiter/innen ist der erste Teil des Zeitzeugenarchivs ab dem 26. März 2015 online abrufbar unter:

http://www.dz-ns-zwangsarbeit.de/zeitzeugenarchiv 

Im Rahmen des von der Berliner Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten geförderten Projektes zur „Digitalisierung des kulturellen Erbes der Stadt Berlin“ eröffnete sich dem Dokumentationszentrum

NS-Zwangsarbeit zum ersten Mal die Möglichkeit, das multimediale Material systematisch und sammlungsbezogen zu digitalisieren und für die Langzeitarchivierung aufzubereiten.

Die Erfassung des gesamten Sammlungsbestandes von 50 Interviews mit ehemaligen zivilen NS-Zwangsarbeiter/innen sowie mit ehemaligen italienischen Militärinternierten wird folgen. Über ein weiteres bewilligtes Projekt werden außerdem Briefe, Fotografien und Dokumente der Zeitzeugen digitalisiert, so dass im kommenden Jahr eine Erweiterung des Zeitzeugenarchivs erfolgen wird. 

Den Schwerpunkt der digitalen Sammlung bildet die Teilsammlung der Berliner Geschichtswerkstatt, die dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit als Dauerdepositum im Jahr 2011 übergeben wurde. Hierzu gehören 37 Interviews mit überwiegend polnischen ehemaligen Zwangsarbeiter/innen. Fernerhin haben Mitarbeiter des Dokumentationszentrums lebensgeschichtliche Zeitzeugeninterviews anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938 - 1945” geführt. Im Rahmen des laufenden Forschungsprojektes über die Batteriefabrik Pertrix konnten weitere ehemalige NS-Zwangsarbeiter/innen interviewt werden.

 

 

Leonid Rjabtschenko als junger Mann in unserer Ausstellung

Leonid Rjabtschenko, Mai 2013

Mit seiner Familie vor dem Roten Rathaus, Mai 2013

Zum Tode von Leonid Rjabtschenko (1925-2015)

Am 31. Januar 2015 starb der ukrainische Ingenieur und Schriftsteller Leonid Rjabtschenko im Alter von 89 Jahren.  Als junger Mann war er Zwangsarbeiter in Berlin und schrieb über seine Erlebnisse Tagebuch. Das Tagebuch und die Biografie von Leonid Rjabtschenko sind heute Teil der Dauerausstellung des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit.

Leonid Rjabtschenko wurde am 2. September 1925 in der Ukraine geboren. Er stammt aus einer ukrainisch-deutschen Familie, die in der Sowjetunion unter Repressionen zu leiden hatte. 1941 wurde der Vater von den sowjetischen Machthabern wegen „konterrevolutionärer Agitation“ verhaftet. Er starb 1942 im Gefängnis. Um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen, floh Leonid Rjabtschenko nach Deutschland. Ein deutscher Soldat nahm ihn mit und wollte ihn in der Mühle seines Bruders unterbringen. Leonid Rjabtschenko kam im Mai 1943 nach Berlin. Obwohl er freiwillig nach Deutschland gegangen war, geriet er bald in die Mühlen der Zwangsarbeit. Dem Müller gelang es nicht, eine Arbeitserlaubnis für ihn zu bekommen, und Rjabtschenko wurde zur Zwangsarbeit bei der „Deutsche Industrie Werke AG“ (DIWAG) in Berlin-Spandau verpflichtet und in einem Zwangsarbeiterlager untergebracht. Bei der Arbeit in einer Gießhalle zog er sich eine schwere Verbrennung zu.

Als Fabrik und Lager bei einem Luftangriff zerstört wurden, kam Rjabtschenko zunächst nach Winterspelt nahe der belgischen Grenze und später nach Wien, wo er für die Reichsbahn Lokomotiven reparierte.

Rjabtschenko hat während des Krieges versucht, den Kontakt zur Mutter und zu seinem kleinen Bruder aufrechtzuerhalten, die ebenfalls nach Deutschland gegangen waren. Er schrieb Briefe und schickte seiner Mutter das Tagebuch, ebenso das ukrainische Bauernhemd, das er bei seiner Ankunft in Berlin getragen hatte. Eine Postkarte aus Wien ist das letzte Lebenszeichen Leonids, das die Mutter erhalten hat.

Nach der Befreiung Wiens durch die Rote Armee im April 1945 wurde Rjabtschenko in die Rote Armee eingezogen und zwangsweise repatriiert. Seiner Entlassung aus der Armee im April 1948 folgte sofort die Verhaftung. Ein Armeetribunal verurteilte Rjabtschenko aufgrund „antisowjetischer Beziehungen und feindlicher Tätigkeit“ zu 25 Jahren Lagerhaft. Im November kam er in ein Arbeitslager in der nordrussischen Stadt Inta und musste dort Zwangsarbeit in einem Steinkohlebergwerk leisten. Zweimal versuchte er, aus dem Lager zu fliehen. 1956, im Zuge der beginnenden Entstalinisierung, wurde seine Strafe auf zehn Jahre verkürzt; nach seiner Freilassung durfte er die Stadt Inta allerdings nicht verlassen. Von 1959 bis 1965 absolvierte er ein Fernstudium und arbeitete im selben Schacht in Inta wie auch schon als Gefangener. Hier konnte er sich bis zum Hauptmechaniker hocharbeiten. 1963 rehabilitiert ihn das Oberste Gericht der UdSSR in allen Anklagepunkten vollständig.

1960 heiratete Rjabtschenko, doch erst 1966 konnte die Familie mit den zwei Kindern in die Ukraine zurückkehren. Dort jedoch stand er weiterhin unter Beobachtung des KGB, und musste mehrmals den Arbeitsplatz wechseln.

Seit den 1990er Jahren war Rjabtschenko politisch aktiv und wurde mit dem ukrainischen Verdienstorden 3. Grades ausgezeichnet. Er hat mehrere autobiografische Bücher geschrieben.

Leonid Rjabtschenkos Mutter war es nach 1945 gelungen, in Deutschland zu bleiben. Ihr Leben lang dachte sie, ihr Sohn sei umgekommen. Nach ihrem Tod entdeckte ihre Schwiegertochter in ihrem Nachlass Leonids Tagebuch, das Hemd und die Postkarte aus Wien und machte sich auf die Suche nach dem Bruder ihres Mannes. So konnte 2009 in der Ukraine ein spätes Wiedersehen der beiden Brüder stattfinden.

Im Mai 2013 besuchte Leonid Rjabtschenko zusammen mit seiner Tochter und seinem Sohn das Dokumentationszentrum und nahm an der Eröffnung der Dauerausstellung teil. Im Anschluss besuchte er seinen Bruder und zum ersten und einzigen Mal das Grab seiner Mutter.

 

Uta Fröhlich

 

 

Coenraad L. Temminck-Groll, 1944

Coenraad L. Temminck-Groll, 2011

Zeichnung "Der Anreißer" von Coenraad L. Temminck-Groll

Zum Gedenken an Coenraad Liebrecht Temminck-Groll (1925-2015)

Am 14. Februar starb der niederländische Architekt und Universitätsprofessor Coenraad Temminck-Groll im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Utrecht. Während des Zweiten Weltkrieges leistete er Zwangsarbeit in Berlin. Coenraad Temminck-Groll war einer der niederländischen Studenten, die 1943 im Rahmen einer Strafaktion ins Reichsgebiet verschleppt wurden. 1944 gelang ihm auf abenteuerliche Weise die Flucht nach Amsterdam. Nach 1945 wurde Temminck-Groll einer der bedeutendsten niederländische Spezialisten für Baurestauration. Seine Biografie ist Teil der Dauerausstellung des Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit.

Coenraad Liebrecht Temminck-Groll wurde am 1. März 1925 in Amsterdam geboren. Nach dem Abschluss der Schule nahm er ein Mathematikstudium auf. Wie viele andere Kommilitonen wurde der damals 18-Jährige im Mai 1943 zur Zwangsarbeit verschleppt, weil er sich geweigert hatte, eine Loyalitätserklärung für die deutschen Besatzer zu unterschreiben. Diese Verfolgung der zukünftigen Elite der Niederlande ist ein wenig bekanntes Kapitel der Besatzung durch Nazi-Deutschland: Im Februar 1943 hatte eine Widerstandsgruppe einen tödlichen Anschlag auf General Seyffart verübt, einen hochgestellten niederländischen Kollaborateur. Da die Attentäter angeblich Studenten waren, wurden zur Vergeltung alle niederländischen Studenten vor die Wahl gestellt, entweder schriftlich ihre Unterwerfung zu bekunden, oder aber zur Zwangsarbeit ins Reichsgebiet abtransportiert zu werden. „…und ich habe niemals daran gedacht, dass ich das unterschreiben sollte…“, so Temminck-Groll 2011 in einem Interview. „…und auch meine Freunde, keiner dachte daran, dass zu unterzeichnen“.

Die Weigerung bedeutete Zwangsarbeit. Über die Durchgangslager Ommen und Potsdam-Rehbrücke kam Temminck-Groll nach Marienfelde, wo er für die Maschinenfabrik Fritz Werner AG arbeiten musste. Über seinen Einsatz zur Zwangsarbeit fertigte er zahlreiche Zeichnungen an.

 

Temminck-Groll war in vier verschiedenen Unterkunftslagern im gesamten Berliner Stadt-gebiet untergebracht, die er u.a. aufgrund von Zerstörungen bei Luftangriffen wechseln musste. Im Frühjahr 1944 gelang ihm mithilfe einer niederländischen Widerstands.-organisation die Flucht, indem er sich unter einem Zugwaggon im Linienverkehr zwischen Berlin und Amsterdam versteckte.

Nach Kriegsende studierte Coenraad Liebrecht Temminck-Groll Architektur und wurde ein erfolgreicher Architekt, Konservator und Universitätsprofessor an den Hochschulen von Delft und Utrecht. Zu seinen Veröffentlichungen zählt eine Arbeit über niederländische Architektur in Asien und den USA. Als Spezialist für Restaurierungen gerade auch kriegs-zerstörter historischer Gebäude war er auch in Deutschland tätig, zuletzt nach dem Fall der Mauer in Potsdam. Für seine Verdienste um den niederländischen Denkmalschutz wurde Temminck-Groll 2008 mit dem Prins Bernhard Cultuurfonds Monumentenprijs ausge-zeichnet.

 

Coenraad Liebrecht Temminck-Groll wurde am 21. Februar 2015 in Utrecht beigesetzt.

 

Thomas Irmer

 

 

Dauerausstellung zur Geschichte der italienischen Militärinternierten - Exponate gesucht

Zurzeit arbeiten wir an einer Dauerausstellung zur Geschichte der italienischen Militärinternierten, die ab September 2016 im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zu sehen sein wird.

Für diese neue Ausstellung suchen wir nach persönlichen Gegenständen, historischen Foto- und Filmaufnahmen, Zeichnungen, Schriftdokumenten und andere, die Auskunft zur Geschichte dieser Opfergruppe geben. Besonders aussagekräftige Materialien würden wir gerne als Exponate in der Ausstellung zeigen.

Wer hat Fundstücke oder Informationen? Alle Hinweise sind willkommen.


Kontakt zum Ausstellungsteam:

Daniela Geppert, Tel. 030-6390288-11, geppert(at)topographie.de
Iris Hax, Tel: 030-6390288-28, hax(at)topographie.de
Dr. Kay Kufeke, Tel. 030-6390288-16, kufeke(at)topographie.de


Italiano

Museum Oskars 2015

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnungen in den folgenden Kategorien:

Ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und die Berliner
Justiz, 1939-1945

Ein wissenschaftliches Kolloquium des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, Berlin-Schöneweide, des Lehrstuhls für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus der Humboldt Universität zu Berlin – im Rahmen des Forschungsnetzwerkes ‚Justice and Populations‘ des Belgian Science Policy Office.

Wann? 23. Februar 2015, 9.00 – 17.00 Uhr

Berlin war bis zum Ende des 'Dritten Reiches' eines der wichtigsten industriellen Zentren Deutschlands. Entsprechend hoch war der Arbeitskräftebedarf, der während des Zweiten Weltkrieges vor allem durchausländische Frauen und Männer abgedeckt wurde, die Zwangsarbeit leisten mussten. Die große Zahl ausländischerArbeiterinnen und Arbeiter in Berlin bewerteten die Sicherheitsorgane des Regimes als Bedrohung der Volksgemeinschaft, auch die Berliner Strafjustiz war Teil des Unterdrückungs- und Sanktionsapparates gegenüberausländischen Zwangsarbeitern. Am Berliner Beispiel lässt sich diese Beteiligung der Strafjustiz besonders detailliert nachzeichnen, weil in Berlin das Archiv der allgemeinen Strafjustiz aus der NS-Zeit den Krieg in großen Teilen unbeschadet überstanden hat und jetzt im Landesarchiv Berlin verwahrt wird - in über 150.000 Archiveinheiten.In keiner anderen deutschen Stadt existiert eine ähnlich umfangreiche Überlieferung der NS-Strafjustiz. Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam sind die Prozessunterlagen des Sondergerichts Berlin archiviert. Nicht nur die Repression, sondern auch der Alltag und die Lebenswelten von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern werden in Ausschnitten in diesen Strafjustizakten sichtbar.

Die Beiträge von Historikerinnen und Historikern auf dem Kolloquium beleuchten verschiedene Facetten; die Breite der Themen, die von Kolleginnen undKollegen aus verschiedenen europäischen Ländern vorgestellt werden, umfasst u.a. die Lebenswelten belgischer Arbeiter und Arbeiterinnen in Berlin, die Strafverfolgung von Fluchtversuchen polnischer Zwangsarbeiter, aber auch die Spuren, die die Liebesbeziehungen französischer Arbeiterinnen in Berlin in den Akten hinterlassen haben.

Das Kolloquium richtet sich an Forscherinnen und Forscher, die über Zwangsarbeit bzw. den Nationalsozialismus und das 'Dritte Reich' insgesamt arbeiten.

Programm

 

 

Pertrix-Batterie aus der Kriegszeit

Forschungsprojekt zur Batteriefabrik Pertrix - Zeitzeugen gesucht

Für ein Forschungs- und Zeitzeugenprojekt suchen wir nach Informationen über ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der Firma Pertrix in Berlin-Niederschöneweide. Die Fabrik produzierte Trockenbatterien und Taschenlampen für die Wehrmacht. Im Laufe des Krieges beschäftigte die Firma alle Gruppen von Zwangsarbeitern: Zivilisten aus Ost- und Westeuropa, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und jüdische Berliner.

Wir suchen nach Überlebenden ebenso wie nach Angehörigen von ehemaligen Zwangsarbeitern, aber auch nach ehemaligen deutschen Mitarbeitern der Firma. Wer kann sich noch an Zwangsarbeiter oder an Lagerbaracken bei Pertrix erinnern? Wer hat noch Dokumente, Fotos, Batterien, Taschenlampen aus der Kriegszeit? Jeder Hinweis ist willkommen.

 

Kontakt:

Uta Fröhlich, Projektleiterin

froehlich(at)topographie.de

Tel. 030-6390288-0

 

 

Projektwoche zum Thema Zwangsarbeit vom 27. - 30. Januar 2014

Ein Teil der Projektwoche der Schüler der Clay Oberschule war ein Projekttag bei uns im Dokumentationszentrum. Ein paar fotografische Eindrücke anbei.

  • Die Schüler der Clay Oberschule während des Projektwoche zum Thema Zwangsarbeit bei uns im Dokumentationszentrum.

 

Zum Tode von François Cavanna - ein Nachruf

 

Am 29. Januar 2014 starb der französische Publizist François Cavanna im Alter von 90 Jahren in Créteil bei Paris. Cavanna hatte zwischen 1943 und 1945 in Berlin-Treptow Granathülsen für die Rüstungsproduktion pressen müssen. Über diese Zeit als Zwangsarbeiter hatte er 1979 den autobiografischen Roman "Les Russkoffs" vorgelegt, eine der eindrücklichsten Buchveröffentlichungen über NS-Zwangsarbeit in Berlin aus der Sicht eines Zeitzeugen.

François Cavanna wurde 1923 als Sohn eines italienischen Bauarbeiters und eines französischen Dienstmädchens geboren und wuchs in Nogent-sur-Marne bei Paris auf. Mit dem Leben im isolierten Milieu italienischer Einwandererfamilien in Frankreich befasste er sich später als Schriftsteller in seinem ersten Roman "Les Ritals" (1978). Nach dem Abschluss der Volksschule, damals für einen Sohn aus einer armen Arbeiter- und Immigrantenfamilie keinesfalls selbstverständlich, arbeitete Cavanna als Obstverkäufer und Briefsortierer in Paris. Kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht hatte er eine Lehre als Maurer begonnen.

1943 kam der damals 20-Jährige gegen seinen Willen nach Berlin, wo er für das traditionsreiche Elektro-Unternehmen Graetz AG Zwangsarbeit leisten musste. Dort verliebte er sich in die ukrainische Zwangsarbeiterin Maria. Nach der Befreiung schmiedete das Paar große Pläne. Doch es wurde jäh getrennt, als Maria von Soldaten der Roten Armee in die Sowjetunion verschleppt wurde.

Cavanna, wieder nach Paris zurückgekehrt, setzte sich mit seinen Erfahrungen der Zwangsarbeit auseinander, indem er für die von einem Verband ehemaliger NS-Zwangsarbeiter herausgegebene Zeitschrift Les déportés du travail politische Karikaturen erstellte. Daraufhin beschloss er, als Zeichner und Journalist zu arbeiten. Er illustrierte Kinderbücher und arbeitete seit 1954 für das Magazin Zéro. 1960 war er Mitbegründer der Satire-Zeitschrift Hara-Kiri mit, 1970 folgte die Gründung der Zeitschrift Charlie Hebdo, für die auch der in Deutschland bekannte französische Zeichner Jean-Marc Reiser arbeitete. Außerdem erstellte Cavanna zahlreiche Romane mit und ohne autobiografischen Bezügen, Essays und Übersetzungen. Bis zuletzt schrieb Cavanna in einem kleinen Büro im Quartier Latin unweit von Notre Dame.

Seine Liebe zu Maria stand im Mittelpunkt von "Les Russkoffs", seinem zweiten autobiografischen Roman. Enthalten sind auch zahlreiche Beobachtungen und Erlebnisse aus dem Alltag der Zwangsarbeit in Berlin. Der Band erschien 1981 als "Das Lied der Baba" in der Bundesrepublik und 1988 in der DDR. Seinen letzten Roman veröffentlichte er 2011: Im Band Lune de miel setzte er sich offen mit seiner Parkinson-Erkrankung auseinander.

Cavannas Markenzeichen war ein einzigartiger Schreibstil, den auch sein Roman über Maria kennzeichnete. Er nahm kein Blatt vor den Mund, schrieb direkt, zugespitzt und ohne Rücksichten, rebellisch und gegen jede Konvention. Mit seinem Stil habe er, so die französische Zeitung "Le Monde"in einer Würdigung anlässlich seines Todes, die Presse in Frankreich revolutioniert und sei einer der Wegbereiter des Pariser Mai von 1968 gewesen.

Zeit seines Lebens nahm François Cavanna immer wieder öffentlich politisch Stellung. Er bezeichnete sich als links von der französischen Linken stehend. Zuletzt kritisierte er scharf jeglichen religiösen Dogmatismus und verteidigte die Aufklärung.

Über seine eigene Verfolgung in der NS-Zeit machte Cavanna wenig Aufhebens. In einem Interview für das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit bilanzierte er ausführlich die Zeit der Zwangsarbeit. Zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung, in der auch seine Biografie gezeigt wird, konnte er aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr kommen.

Unter der Überschrift „Adieu, Baumschulenweg“ schrieb er in einem Vorwort für den Katalog der neuen Dauerausstellung über den Grund für seine Bescheidenheit: „Mir wiederfuhr, wie im Jahre 1945 beinahe allen Menschen, die brutale Einsicht in die wahrhaftige Existenz von Todeslagern, in die organisierte Massenvernichtung und das ließ mich bescheidener werden, wenn es darum ging, über mein eigenes „Leid“ zu sprechen. In Anbetracht solcher Dinge bleibt uns kleinen Zwangsarbeitern nichts anderes übrig, als einfach nur unsere Klappe zu halten. Und so halte ich es bis heute“.

 

François Cavanna wurde am 6. Februar im Kreise seiner Angehörigen und Freunde auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise beerdigt.

 

Thomas Irmer

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