Abschrift: Xxxxx
Łódź, den 12.1.1998
Antwort auf den Aufruf
Ich heiße xxxxx wurde am 3. Dezember 1928 in Tokary, Gemeinde Korczew, Wojewodschaft Siedlce geboren. Heute lebe ich in Łódź und xxxxx Zur Zwangsarbeit nach Deutschland wurde ich 1942 von meinem Wohnort als 14jähriger abgeholt. Man brachte mich und viele andere Polen nach Warschau in die Skaliszewska-Straße. Dort saßen wir etwa zwei Wochen. Dann wurden wir mit dem ganzen Transport nach Deutschland gebracht. In Prenzlau holten uns die Deutschen ab, die auf die Zuteilung von Arbeitskräften warteten. Ich gelangte zum Gutshof xxxxx in Güstow bei Prenzlau. Auf diesem Hof arbeiteten 12 Polen, 3 Polinnen, 5 Ukrainerinnen. Auch deutsche Familien arbeiteten dort. Ich arbeitete auf dem Acker und auf dem Hof von morgens bis abends. Der Vorarbeiter, der uns beaufsichtigte, war sehr streng. Es kam vor, daß ich, wenn ich etwas nicht machen konnte, geschlagen wurde.
Nach zwei Jahren Arbeit auf dem Hof bekam der Wirt xxxxx einen Befehl, einen Ausländer zum Arbeitsamt zu schicken. Da ich jung war, ... schickte man mich. Vom Arbeitsamt holten die Herren Deutschen mich und andere Polen aus der Gegend von Prenzlau nach Berlin. In Berlin bekam ich Arbeit in der Metallfabrik (Ulnerfabrik ?), die sich am Alexanderplatz befand. Untergebracht wurde ich in der Neugartenstraße, wo wir etwa 30 Polen zusammenwohnten, die wir alle in der Ulnerfabrik arbeiteten. Ich arbeitete in der Fabrik als Küchengehilfe. Wir waren dort drei Polen, eine Belgierin und drei deutsche Frauen. Ich brachte den Kaffee für die Arbeitenden in der Fabrik. Aus der Stadt holten wir Kartoffeln, Gemüse und andere Sachen für die Küche. Zu Mittag aß ich in der Fabrik, darüber hinaus bekamen wir Lebensmittelkarten.
In der Ulnerfabrik in Berlin arbeitete ich nur sechs Monate. Das Jahr 1944 ging zu Ende. In Berlin kamen starke Luftangriffe. Die Flugzeuge bombardierten Tag und Nacht, und wir flüchteten in den Luftschutzraum. Eines Sonntags fuhren wir mit den Kollegen, die ebenfalls aus der Gegend von Prenzlau waren, zu unseren Landwirten, bei denen wir gearbeitet haben. Mein Wirt prüfte meine persönlichen Sachen und fragte, warum ich gekommen bin. Ich sagte, Berlin wird oft bombardiert und ich habe Angst. Er ließ mich bleiben und arbeiten.
Und so arbeitete ich auf dem Hof xxxxx , bis die Front näher anrückte. Etwa drei Wochen vor dem Anrücken der Front bereitete sich der Landwirt zur Abreise vor. Wir luden alles auf die Wagen und zusammen mit ihm sollten wir in Richtung Amerikaner fliehen. Aber bald ließ man uns alleine zurück, und dort fand uns die Sowjetische Armee. Jeder versuchte auf eigene Faust, in die Heimat zur Familie zurückzukehren.
Aus Berlin habe ich weder Andenken noch Dokumente. Ich habe nur ein Foto, das ich in Prenzlau machte, dessen Kopie ich Ihnen zuschicke.
Mit Hochachtung für Frau Gisela Wenzel
Xxxxx
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit / Slg. Berliner Geschichtswerkstatt
Franciszek G. musste als 14-jähriger Junge auf einem Gutshof in Güstow Feldarbeit leisten. Anschließend muss er nach Berlin wechseln, wo ihm der Arbeitsplatz als Küchenhilfe in einer Fabrik zugewiesen wurde. Er floh aus Berlin, als die Bombardierungen auf Berlin unerträglich wurden.
Herkunftsland: Tschechien
Geburtsjahr: 1928
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit / Slg. Berliner Geschichtswerkstatt

© Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit / Slg. Berliner Geschichtswerkstatt

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